Das Automatische Schreiben hat eine lange Geschichte. Grundsätzlich versteht man darunter, dass ein menschlicher Körper als ausführendes Organ benutzt wird, um die Eingebungen einer höheren Macht zu Papier zu bringen. Schon Homer machte in den Einleitungen zur „Odyssee“ und „Ilias“ deutlich, dass die Inhalte der Werke ihm durch eine höhere Macht eingegeben wurden. Doch erst im 19. Jahrhundert wurde der Begriff des Automatischen Schreibens klar definiert. So war es 1861 der französische Spiritist Allan Kardec, der damit die schriftliche Verbindungsaufnahme mit Geistern bezeichnete. In diesem Zusammenhang wurde das Phänomen auch mit dem Begriff „Psychographie“ bezeichnet, der jedoch heute eine andere Bedeutung hat.

Das Automatische Schreiben zählt fraglos zu den besonders häufigen Phänomenen der Parapsychologie. In seinem Werk „Buch der Medien“ nennt Allan Kardec Automatisches Schreiben das bequemste, vollständigste und auch einfachste Verständigungsmittel zwischen Geistern und Menschen. Kardec unterscheidet dabei vier verschiedene Ausprägungen:

  • das mechanische Automatische Schreiben
  • das halbmechanische Automatische Schreiben
  • das intuitive Automatische Schreiben
  • das inspirierte Automatische Schreiben

Unter den vier verschiedenen Ausprägungen, betitelt Kardec das mechanische Automatische Schreiben als die vollkommenste Variante, da hier das Medium völlig unwissend ist, was es schreibt. Bei dieser Variante ist das Gehirn des Schreibenden völlig ausgeschaltet. Eine andere Wesenheit bedient sich der Hand und teilt sich mit.
Bei sämtlichen anderen Formen ist die Mitarbeit des Gehirns des Schreibenden erforderlich.

Kardec „Buch der Medien“ gibt einen detaillierten Aufschluss über den Kontakt und den Umgang mit dem Jenseits. Das genannte Werk ist dabei nur eines von fünf Büchern, in denen Spiritualismus das zentrale Thema ist. Kardecs Lehre fand bereits zu seinen Lebzeiten große Beachtung und er überzeugte damit namhafte Persönlichkeiten. Sogar Napoleon III. lud ihn zu philosophischen Diskussionen ein.
Im weiteren geschichtlichen Verlauf war es der französische Psychotherapeut Pierre Janet, der den Begriff des Automatischen Schreibens im Rahmen seiner therapeutischen Sitzungen weiter geprägt hat. In seinen Versuchen wurde der Patient in Hypnose, Halbschlaf oder Trance zum Schreiben angehalten. Auf diese Weise sollte das Unbewusste ins Bewusstsein gebracht werden.

Doch automatische Schreiben stieß nicht nur als therapeutische Maßnahme auf dem Gebiet der Psychotherapie auf Anklang. Automatisches Schreiben war vielmehr Teil der Spiritismus Welle, die im 19. Jahrhundert, ausgehend von den USA, auch in Europa Einzug hielt. In den USA gelten die Fox Schwestern als Begründerinnen der Spiritismus Welle. Sie stellten bei öffentlichen Veranstaltungen ihre medialen Fähigkeiten zur Schau. Dabei stießen sie auf große öffentliche Begeisterung. Zu ihren „Darbietungen“ zählte auch das Automatische Schreiben.
Seit dieser Zeit war es auch zunehmend in Schriftstellerkreisen populär, die Leserschaft wissen zu lassen, dass Werke durch geistige Eingaben entstanden und somit „automatisch geschrieben“ waren. So widmete der englische Journalist William Stead in der Zeitschrift Sphinx (1985, S.348) nicht weniger als 30 Seiten seinen Erlebnissen mit automatischen Schreiben. Sowohl er selbst als auch seine Tochter bezeichneten sich als sogenannte Schreibmedien. Er schrieb in der Zeitschrift:

Noch ist es kein Jahr her, seit ich automatisch zu schreiben angefangen habe und seitdem, ist mir beinahe jeden Tag eine Mitteilung auf diesem Weg zuteil geworden.“

Stead ging am 14./15.4 1912 mit der Titanic unter. Schon bevor der Untergang der Titanic öffentlich bekannt wurde, hatte er seine Tochter Estelle über die Umstände seines Todes mit Hilfe des Automatischen Schreibens unterrichtet. Er teilte ihr auch seine Eindrücke vom Jenseits mit. Vor wenigen Jahren ist das Buch, in dem Estelle die ihr übermittelten Botschaften wiedergibt, unter dem Titel „Die Blaue Insel. Ein Blick in das Leben im Jenseits. Mit der Titanic in die Ewigkeit. Eine Beschreibung des Überganges jäh aus dem Leben gerissener Menschen“ neu im Artha Verlag erschienen.

Diese Geschichte ist nur eine von vielen, die bezeugt dass Automatisches Schreiben eine sehr gute Möglichkeit ist, um mit Verstorbenen in Kontakt zu treten.

Das könnte Sie auch interessieren